talkin bout a revolution

talking about a revolution

In Zeiten des Ramadan durch die westjavanesische Provinz zu reisen, kann ein abenteuerliches Unterfangen sein – denn die Menschen halten sich tagsüber strikt an das moslemische Gebot, bis Sonnenuntergang weder zu trinken noch zu essen. So wie ich wird jeder andere, der bei 30 Grad im Schatten auch nur zur Wasserflasche greift, argwöhnisch beäugelt. Es scheint, als gäbe es nur eine einzige Privilegierte, die tagsüber trinken darf – die Reispflanze. Emily und ich sind auf dem Weg nach Tasikmalaya, um eine besondere Reisanbau-Methode, das „System of Rice Intensification“ (SRI) kennen zu lernen. Ziel des SRI ist es, die Wurzel der Reispflanze so zu stärken, dass im Einklang mit der Natur der Reis-Ertrag größer wird. Auf den Einsatz chemischer Dünge- und Pflanzenschutzmitteln wird dabei bewusst verzichtet. Um dies zu erreichen, werden bei SRI z. B. die Felder nicht mit Wasser geflutet. Die Pflanzen wachsen im Schlamm, der Platz für Mikroorganismen bietet und deswegen besonders nährreich ist. Die Bauern in Tasikmalaya zählen zu den indonesischen Pionieren dieser Methode. Kaum angekommen, erzählt uns Saepul Bahri, der Vorstand der Bauernkooperative, stolz, dass die Politprominenz aus Jakarta – vom Präsidenten abwärts – regelmäßig das Vorzeigeprojekt besucht. In den 60-er und 70-er Jahren war das noch anders: Damals rief die Regierung die „Grüne Revolution“ aus: Gezüchtete Hochleistungs-Reissorten sollten im gesamten Land angebaut werden. Jene Bauern, die ihre Felder traditionell bewirtschafteten, wurden „zur Vernunft“ gebracht. Unter Androhung von Gewalt zwangen die entsandten Polizeitruppen die Bauern, den Reis zu sähen, den die Regierung gemeinsam mit Pestiziden und Düngemittel zur Verfügung stellte. Anfangs stieg die Produktivität wie gewünscht – doch zu einem hohen Preis: der Verschmutzung von jahrelang vererbten Böden und Wasserreserven. Ende der 80er Jahre dann das böse Erwachen: Die künstlich hochgezüchteten Pflanzen haben keine Widerstandskraft und die Ernte-Mengen beginnen rapide zu sinken. Gleichzeitig stieg der Einsatz der chemischen Mittel. Das „Erfolgsrezept“ Grüne Revolution entzaubert sich selbst als Luftblase einer profitgierigen Saatgüter- und Dünge-Industrie.


Reisfelder in Tasikmalaya 25 Jahre später.

Libellen und Schmetterlinge umschwirren die saftig grünen Felder. Ich sehe Marienkäfer, die Reispflanzen hochklettern und Schädlinge fressen. Regenwürmer lockern den Boden und geben ihren wertvollen Dünger ab. Es riecht nach Heu und Kompost. Die Bauern sind glücklich, denn ihre Kinder haben die Chance auf eine gesunde Zukunft und der Ertrag der Ernte steigt jährlich. Die wahre Grüne Revolution hat am Ende gesiegt: Das System of Rice Intensification.


Der große SRI-Reis im Vergleich mit der chemischen Düngepflanze


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